GELD.

/Mitteilung./ Noch zum Thema „Geld“, liebe R. und lieber J. …

Es gab eine Zeit, da bin ich viel an der Isar spazieren gegangen. Sehr viel. Fast täglich eigentlich. Ich hatte keinen Job und dachte darüber nach, wie ich zu Geld kommen könnte. Du musst es Dir „verdienen“, dachte ich  immerzu. Das war wie ein Mantra. Und was hieß das eigentlich – „verdienen“? lch machte innerlich einen Diener. Oder sagen wir lieber: Ich versuchte es. Denn um ganz ehrlich zu sein, wollte es mir nicht so recht gelingen. Zum Glück fiel mir auf, dass es auch noch andere Arten gab, an Geld zu kommen. Dazu musste man nur die Sprache wechseln. Im Französischen konnte man das Geld „gewinnen“. Wie bei einem Spiel! „Gagner“ de l´argent… Das hatte so etwas Leichtes, Zufälliges. Reine Glückssache, ob es einem gelang oder nicht. Wie beim Menschärgeredichnicht. Mit Strategie war da wenig zu machen. Schon gar nicht mit Einsatz, Engagement. Ich meine… Man konnte sich noch so viel Mühe geben, eine Sechs zu würfeln, um wieder ins Spiel zu kommen – Wenn man Pech hatte, kam man erst raus, wenn die anderen schon alle drin hatten. Das Spiel war gelaufen. Und klar war das ärgerlich. Aber immerhin hatte man keine Schuld. Bei dem Wort „Schuld” zucke ich innerlich richtig zusammen… Diese merkwürdige Symmetrie zwischen dem Ausstehen einer Bezahlung und der gefühlten Belastung durch eine schlechte Tat. Und ja… Hat man beim Geld „verdienen“ nicht immerzu das Gefühl, man ist da irgendwie „schuld“ daran, wenn man für seine Arbeit keines bekommt? So, als hätte man das eben nicht „verdient“? Da würde man es doch viel lieber „gewinnen“, oder? Andererseits… wenn man darauf ohnehin keinen Einfluss hatte, ob man es gewann oder nicht, konnte man es doch ebensogut dem Zufall überlassen. Außerdem finde ich Menschärgeredichnicht langweilig. Schon immer fand ich dieses Spiel langweilig. Wahrscheinlich deshalb, weil ich mich dabei weder ärgern, noch über den Ärger der anderen so richtig freuen konnte. Sagen wir es so: Gewinnen oder verlieren waren für mich Jacke wie Hose. Es machte keinen Unterschied. Da fiel mir ein: ich konnte das Geld ja auch „suchen“. So, wie es die Ungarn machten… “Pénzt keresni“, sagen sie. Das heißt „Geld suchen“. Ich ging also an der Isar spazieren und dabei heftete ich meinen Blick suchend auf den Boden. Und? Was lag da? Ein Kronkorken… Und gleich daneben lag noch ein Kronkorken!  ”Geld”, dachte ich plötzlich. Meine Form von Geld! Meine „Währung“, könnte man sagen. Und so suchte ich weiter. Nicht so verbohrt, versessen. Mehr so nebenbei eigentlich. Jedesmal wenn ich beim Gehen an der Isar war, “suchte” ich Geld. Und jedesmal kam ich mit einer Handvoll Geld in der Tasche zurück. Ich hatte es gefunden. Oder das Geld mich? Es kam auch vor, dass der Kronkorken so fest in den harten Boden eingetreten war, dass es mich Einiges an Aufwand und Mühe kostete, ihn zu befreien. Ich hatte dafür eigens ein Werkzeug entwickelt. Ein etwa fingerlanges Stück Holz mit einer messerscharfen Kante, die man zum Aushebeln des Blechstückes verwenden konnte. Umso mehr freute ich mich, als ich es endlich heraus hatte. Kein Zweifel. Ich hatte es mir verdient. Es kam auch ganz schön etwas zusammen mit der Zeit. Ganze Berge habe ich davon angesammelt. Ich bin reich. Sehr reich! Die Frage ist nur –

Was mache ich jetzt mit dem Geld?

Bitte schreibt mir, falls Ihr dazu eine Idee habt!

Herzliche Grüße,
K.